QualitätsHandBuch

der GIB-Stiftung und des GIB e.V.

QHB LEISTUNGSPROZESSE

2.2.1.2 AL Umgang mit Betreuteneigentum

Autor/en:
QZ HG und WvB, R. Elser
gültig seit:
21.02.2008
aktualisiert am:
22.11.2018

Anleitung zum Umgang mit Betreuteneigentum

Präambel

Zum Grundsatz des respektvollen und wertschätzenden Umgangs mit den Betreuten gehört auch die Achtung ihres Eigentums. Der verantwortungsvolle Umgang damit bildet einen wichtigen Bestandteil professioneller Betreuungsqualität.
Neben einem materiellen Wert kann Eigentum einen nicht zu unterschätzenden immateriellen, ideellen Wert haben. Auch wenn es sich nur um eine Überraschungseifigur, ein auf der Straße gefundenes Bild oder eine zerkratzte CD handelt, kann Unscheinbares für die Betreuten von enormer Wichtigkeit sein.
Die Betreuten werden sowohl zu einem sachgemäßen und pfleglichen Umgang mit ihrem Eigentum als auch in besonderer Weise mit dem Eigentum anderer angeleitet.
Bei der regelmäßigen Reinigung und Pflege erhalten sie die individuell erforderliche Unterstützung.
Zu Eigentum, das verschlossen aufbewahrt wird, erhalten sie bei Bedarf Zugang durch die Betreuer. Solche Sachverhalte sind schriftlich im Rahmen Allgemeiner Vereinbarungen festzuhalten.

1. Erfassung von Betreuteneigentum

Innerhalb der ersten Woche nach Einzug in die Wohnstätte erfasst der Bezugsbetreuer im FB "Betreuteneigentumsliste" (siehe Anlage) das Eigentum des Betreuten. Die Betreuteneigentumsliste ist im Ordner "Laufende Prozesse" der Wohngruppen für jeden Betreuten hinterlegt. Die Erfassung wird bedarfsgemäß aktualisiert.
In die Betreuteneigentumsliste müssen aufgenommen werden:

  • Eigene Möbel (inkl. Matratze)
  • Alle technischen Geräte (sinnvoll zur Übersicht der vorgeschriebenen jährlichen Prüfung)
  • Eigentum ab einem Wert von 50,00 €
    (Wert gewählt, da dies ca. 50% des monatlich. zustehenden Barbetrages ausmacht und somit gemessen am "Einkommen" eine bedeutende Höhe darstellt).
  • und solches, das für den Betreuten einen besonderen ideellen Wert besitzt.

Wird Eigentum an einem anderen Ort als dem Bewohnerzimmer verwahrt, wird dies in Klammern ergänzt:

Goldene Halskette mit Anhänger (Bewohnerwertfach im Büro)
Fahrrad Marke "Fahrmich" und Fahrradhelm Marke "Schützmich" (Fahrradschuppen Germanenstraße 1).

2. Neuanschaffungen

Einkäufe aus dem Vermögen des Betreuten werden grundsätzlich im Vorfeld mit  ihm gemeinsam geplant, um Wünsche und Vorlieben aufgreifen zu können und diese mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und den Anforderungen an Qualität und Eignung abzugleichen. Neuanschaffungen müssen in jeder Hinsicht stets die individuellen Besonderheiten des Betreuten berücksichtigen, z. B. im Hinblick auf motorische Fähigkeiten (Handhabung elektronischer Geräte, Verschlüsse an Bekleidung), körperliche Beeinträchtigungen (z. B. Fußfehlstellungen), vermeidbare Verletzungsgefahren (Bilderrahmen mit Glas) etc..
Ab welcher Höhe Ausgaben mit dem gesetzlichen Betreuer abgesprochen werden müssen, wird bei Aufnahme des Betreuten schriftlich in der Anlage 1 des Wohn- und Betreuungsvertrages festgehalten. Der Inhalt der dort getroffenen Regelungen wird in das entsprechende Feld der Budgetplanung übernommen. Im Alltag kann es immer wieder vorkommen, dass gB/Angehörige die im Wohn- und Betreuungsvertrag getroffene Regelung ändern, gelegentlich auch nur durch entsprechende mündliche Mitteilung. Egal, gegenüber wem diese Mitteilung gemacht wird, meistens dürfte dies der BzB sein, muss dieser Mitarbeiter dafür Sorge tragen, dass die WL diese Information erhält. Die WL wird dann mit dem gB schriftlich eine entsprechende Vereinbarung treffen, diese ist dem Wohn- und Betreuungsvertrag als gültige Anlage beizufügen. Die Budgetplanung ist entsprechend anzupassen.
Das Eigentum jedes Betreuten ist stets in geeigneter Weise so zu kennzeichnen, dass es von allen Betreuern zugeordnet werden kann. Dies betrifft maßgeblich Bekleidung und Eigentum, das Betreute in Gemeinschaftsbereichen nutzen oder bei sich tragen. Die Bezugsbetreuer stellen sicher, dass Bekleidungsstücke zeitnah nach dem Einkauf auf geeignete Weise (nicht sichtbar/Tragekomfort beachten) mit dem Namen des Besitzers versehen werden.

3. Entsorgung / Verlust / Beschädigung / Schenkung

Eigentum kann nur begründet entsorgt werden.
Bevor Eigentum entsorgt wird, ist dies in der Regel mit dem Betreuten, ggf. mit dem gB oder auch Angehörigen abzusprechen, die möglicherweise die Anschaffung getätigt haben. Dem Betreuten ist der Sachverhalt in geeigneter Weise zu erläutern. Häufig ist es sinnvoll, Entsorgung gemeinsam vorzunehmen, um den Vorgang für den Betreuten nachvollziehbar zu machen.
Verlust bzw. Beschädigung wird in erster Linie an den BzB gemeldet. Dieser klärt den Sachverhalt mit dem Betreuten. Wenn es sich um einen erheblichen Schaden handelt und/oder Dritte betroffen sind, werden WGL und/oder WL/AfbL hinzugezogen, die den Sachverhalt, sofern erforderlich, mit dem gB besprechen.
Selbstverständlich hat jeder Betreute das Recht zum Ausdruck zu bringen, wenn er bestimmte Dinge nicht mehr haben möchte. Äußert der Betreute einen solchen Wunsch, ist zu entscheiden, ob hierbei der Betreute eine freie Willensentscheidung trifft, d. h., er kann reflektieren, welche Folgen seine Entscheidung in der Zukunft hat. Dieser muss dann Rechnung getragen werden. Handelt es sich um eine spontane natürliche Willensäußerung, z. B. im Rahmen einer akuten Krise, ist mit dem Betreuten darüber zu verhandeln, die Entscheidung zu vertagen, bis er zu einer freien Willensäußerung in der Lage ist.
Entsorgt ein Betreuter sein Eigentum selbst, ist dann zu intervenieren, wenn anzunehmen ist, dass dieser den Sachverhalt mit den entsprechenden Konsequenzen (keine finanziellen Mittel für Neuanschaffungen/keine Alternative vorhanden etc.) nicht überblicken kann. Man darf z. B. nicht zusehen, ohne einzugreifen, wenn ein Betreuter sein Mobiliar zerstört. Die Beschädigung von Eigentum ist eine sachaggressive Handlung, die als solche zu verhindern ist. Hat ein Betreuter dennoch sein Eigentum beschädigt, ist im Team zu beraten, wie Reparaturen/Neuanschaffungen andragogisch sinnvoll gestaltet werden – wird Beschädigtes ersetzt oder die Ersatzbeschaffung zeitlich gezielt in die Zukunft gelegt und/oder an Bedingungen geknüpft?

Besonders müssen alle Mitarbeiter darauf achten, dass mit dem Eigentum der Betreuten pfleglich umgegangen wird.
Fahrlässigkeit beginnt z. B., wenn bei der täglichen Wäschepflege Kleidungsstücke mit höherer Temperatur gewaschen werden, als auf dem Etikett angegeben ist oder in den Trockner gegeben werden, obwohl sie dafür nicht geeignet sind. Entsteht hierdurch ein Schaden, ist der verursachende Mitarbeiter der fahrlässig Handelnde.
Sachgerechte Reparaturen beschädigter Gegenstände sind einer Neuanschaffung vorzuziehen.
Schenkungen an andere Betreute bedürfen der Zustimmung des Eigentümers, soweit dieser die Schenkung angemessen einschätzen kann. Ist dies nicht der Fall, wird eine Schenkung vorab mit dem gesetzlichen Betreuer abgesprochen.
Eigene elektrische Geräte dürfen gemäß dem Wohn- und Betreuungsvertrag nur dann genutzt werden, wenn diese den gesetzlichen Sicherheitsvorschriften entsprechen. Vertraglich festgelegt ist das Einverständnis, dass defekte Geräte entsorgt bzw. auf Kosten des Betreuten repariert werden können. Der Zugang zu allen elektrischen Geräten muss zu den turnusmäßigen Überprüfungen gewährleistet sein.
Wird in der Betreuteneigentumsliste erfasstes Eigentum entsorgt, verschenkt usw., ist dies entsprechend zu dokumentieren.

4. Geldbeträge/ Wertsachen

Mit dem gesetzlichen Betreuer wird die Verwaltung des monatlich zur Verfügung stehenden Geldbetrages im Rahmen des Wohn- und Betreuungsvertrages (Anlage 1) und der Budgetplanung geregelt. 
Das Bargeld des Betreuten, Girokontokarte/Sparbuch, sonstige Wertgegenstände sowie sämtliche Quittungen werden im Wertfach des Betreuten verschlossen aufbewahrt.
Den Wertfachschlüssel hat der jeweilige Bezugsbetreuer, der ihn bei Abwesenheiten an seine Vertretung weitergibt.
Der Bezugsbetreuer erstellt monatlich eine Taschengeldabrechnung in der unter "Laufende Prozesse" hinterlegten Excel-Tabelle. Diese wird ergänzt um die Originalbelege aller Einnahmen und Ausgaben. Die Abrechnung ist nach Möglichkeit mit dem Betreuten durchzusprechen und von ihm gegenzeichnen zu lassen. Ist dies nicht möglich, unterschreibt neben dem Bezugsbetreuer ein weiterer Betreuer die einzelnen Buchungen. Monatlich gehen die Abrechnungen aller Betreuten der jeweiligen WG gesammelt an das SekWL, wo eine Prüfung erfolgt. Der gB erhält die Abrechnungen in dem mit ihm vereinbarten Turnus.

5. Dokumente

Im Bewohner-Dokumentationsordner werden alle wichtigen Dokumente wie Ausweise, Chipkarten, Impfbuch usw. in einer spezielle Prospekthülle und -tasche abgelegt. Diese sind allen Betreuern zugänglich.
Jeder Bezugsbetreuer bzw. dessen Vertretung ist für die Aktualität und Gültigkeit sämtlicher Dokumente des Betreuten verantwortlich. Rechtzeitig vor Ablauf der Gültigkeit ist mit dem gB die weitere Handhabung abzusprechen.

6. Hilfsmittel

Die Betreuten werden zum sachgerechten Umgang mit ihren ärztlich verordneten Hilfsmitteln angeleitet und erhalten die erforderliche Unterstützung.
Der Bezugsbetreuer stellt die regelmäßige Kontrolle und Pflege der Hilfsmittel gemäß der Bedienungsanleitung sicher.
Hilfsmittel, die nicht mehr den Sicherheitsbestimmungen entsprechen, dürfen nicht mehr genutzt werden. Eine Reparatur bzw. Ersatz eines erforderlichen Hilfsmittels ist unverzüglich in die Wege zu leiten (ärztliche Verordnung, Kostenübernahme Krankenkasse etc.).
Der Bezugsbetreuer lädt zur Vorstellung/Einweisung neuer Hilfsmittel einen Mitarbeiter der jeweiligen Tagesstruktur (Afb, WfbM) ein bzw. stellt die Informationsweitergabe anderweitig sicher.

Downloads Anlagen (PDF- und/oder Word-Datei (.docx)
2.2.1.2 FB01 Betreuteneigentumsliste

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