QualitätsHandBuch

der GIB-Stiftung und des GIB e.V.

QHB LEISTUNGSPROZESSE

2.2.1.3 AL Bezugsbetreuersystem

Autor/en:
E. Boehlke, M. Knapich-Boehlke, K. Hölzer
gültig seit:
31.03.2004
aktualisiert am:
09.08.2010

Anleitung zum Bezugsbetreuersystem

Präambel

Durch das Bezugsbetreuersystem wird

  • eine Zuordnung von Bewohnern und Betreuern geschaffen,
  • somit eine engere persönliche Beziehung konstituiert, die ein besonderes Vertrauensverhältnis befördert, aus dem eine persönliche Beziehungsverantwortung erwächst und
  • eine spezifische Verantwortlichkeit definiert.

1. Ziel und Zweck eines solchen Systems

Entsprechend seiner Unternehmensphilosophie besteht das konzeptionelle Ziel des GIB e. V. darin, Menschen mit Intelligenzminderung und zusätzlichen psychischen Erkrankungen bzw. gravierenden Verhaltensauffälligkeiten einen dauerhaften betreuten Lebensraum zu bieten, der auch durch schwere akute Krisen nicht in Frage gestellt wird.

Richtungsweisendes Ziel in der Betreuung ist die Stabilisierung und Entwicklung von Persönlichkeitseigenschaften zur Erreichung größtmöglicher Lebensqualität und Autonomie.

Im Wesentlichen geht es hierbei um den Abbau autonomiehemmender Faktoren durch die Erweiterung von Handlungsräumen, die neue Entscheidungsräume eröffnen.

Durch die Zuordnung von einem Betreuer zu einem Bewohner werden besondere Aufgaben für die Lebensbewältigung des Bewohners gezielter wahrgenommen.

Durch das Bezugsbetreuersystem wird für einen längeren Zeitraum mit hoher Wahrscheinlichkeit eine wahrnehmbare persönliche Bindung zwischen Betreuer und Bewohner entstehen.

Dies fördert den Respekt gegenüber dem Bewohner, die Wahrnehmung und die Beachtung seiner Wünsche, das Kennen seiner Lebensgewohnheiten, Bedürfnisse und Interessen sowie ein daraus erwachsendes Vertrauensverhältnis. Insofern sind alle Informationen, die der Betreuer erhält, vom Grundsatz her vertraulich zu behandeln. Die Schaffung und Sicherung eines Intimbereichs des Bewohners lässt sich hierdurch ausbauen und garantieren. Sie dient der Achtung des Bewohners in seiner Gesamtheit und der Berücksichtigung individueller Empfindlichkeiten.

Wenn allerdings der Bezugsbetreuer im Rahmen dieses Vertrauensverhältnisses Informationen erhält, die die Rechte und Interessen Dritter berühren, findet die grundsätzliche Vertraulichkeit ihre Grenzen. In einem solchen Fall ist die Wohnstättenleitung zu informieren. In den dann erforderlichen Klärungsprozess ist der Bewohner einzubeziehen.

Der Bezugsbetreuer kann auf der Grundlage seiner Beziehung fürsprecherisch für die Realisierung individueller Besonderheiten eintreten und bei Konflikten vermitteln. Eine solche Individualisierung der Hilfe beugt einem „anonymen“ Angebot von Dienstleistungen vor.

Eine weitere wesentliche Aufgabe des Bezugsbetreuers besteht darin, dass er dafür Sorge trägt, dass grundsätzliche Erkenntnisse allen Mitarbeitern bekannt sind, damit sie im praktischen Alltag berücksichtigt werden.

Folgende Aufgaben sind hinsichtlich ihrer Verantwortlichkeit zugeordnet:

Eigenverantwortliche Aufgaben
  • Persönliche Einzelgespräche im individuellen Rahmen
  • Biografiearbeit
  • Gemeinsame Einzelaktivitäten
  • Bekleidung/äußere Erscheinung
  • Medizinische Versorgung und Vorsorge entsprechend den Vorgaben
  • Taschengeldverwaltung
  • Monatsberichte
  • Kontinuierliche Fortschreibung der Entwicklungsberichte
  • Dokumentation
In Absprache mit der Wohngruppenleitung eigenverantwortlich durchzuführende Aufgaben
  • Zimmergestaltung
  • Taschengeldverwendung bei höheren Beträgen ab 50 €
  • Individuelle Freizeitgestaltung/Reisen
  • Kontakt mit WfbM/Afb
  • Kontakt mit Familie/Freunden
In Absprache mit der Wohnstättenleitung durchzuführende Aufgaben
  • Spezifische individuelle Förderungen
  • Freigabe der abgeschlossenen Entwicklungsberichte
  • Allgemeine Vereinbarungen
  • Budgetplanung
  • Wahrnehmung der persönlichen Rechte gegenüber Dritten
  • Vereinbarungen mit gesetzlichen Betreuern und Behörden

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