QualitätsHandBuch

der GIB-Stiftung und des GIB e.V.

QHB LEISTUNGSPROZESSE

2.2.1.6 AL Entwicklungsbericht

Autor/en:
E. Boehlke, S. Daniel
gültig seit:
30.11.2002
aktualisiert am:
24.01.2013

Anleitung zum Erstellen eines Entwicklungs- und Leistungsberichts

Präambel

Im Folgenden wird der einfacheren Lesart wegen nur noch der Begriff 'Entwicklungsbericht' benutzt, wobei zu betonen ist, dass in den Entwicklungsberichten stets auch die von uns erbrachte Leistung deutlich darzustellen ist.

Entwicklungsberichte stellen einen Teil der Biografiearbeit der Betreuten dar, die beim GIB e. V. leben. Sie schildern die Erlebnisse und den Entwicklungsverlauf eines Betreuten im Berichtszeitraum und bieten dem Mitarbeiter, der den Bericht schreibt, die Möglichkeit zur Reflexion des aktuellen Entwicklungsstands des Betreuten und der Leistungen, die von den Mitarbeitern erbracht wurden, um diesen zu erreichen bzw. zu erhalten. Damit sind Entwicklungsberichte auch der Ausgangspunkt für die Zielsetzungen der künftigen Betreuungsarbeit.

Neben dieser inhaltlichen Funktion sind die Entwicklungsberichte auch die Grundlage für die Einstufung in die entsprechende Hilfebedarfsgruppe (Haus Geronsee und Afb-VB) bzw. Leistungsgruppe (WvB) bei der nächsten Kostenübernahme. Sie sind damit ein wesentlicher Teil des wirtschaftlichen Fundaments des Unternehmens.

Entwicklungsberichte werden in der GIB-Datenbank geschrieben. Immer wenn eine Kostenübernahme eintrifft, gibt die zuständige Leitung in der Maske 'Betreutendaten' im Eingabefeld 'Fälligkeit EWB' das Datum ein, bis zu welchem laut der Kostenübernahme der nächste Entwicklungsbericht dem Kostenträger vorzulegen ist.

Es ist zu beachten, dass vom zuständigen Mitarbeiter der Entwicklungsbericht in der Regel einen Monat vor dem Datum 'Fälligkeit EWB' abgeschlossen sein muss, damit eine abschließende Überarbeitung und der rechtzeitige Versand gesichert sind. Entsprechend wird in der Maske 'Entwicklungs- und Leistungsbericht' das Enddatum des Berichtszeitraums festgelegt. Sofern es bereits einen Vorbericht gibt, wird als Anfangsdatum des Berichtszeitraums der Folgetag des Enddatums des vorigen Berichts gewählt.

In der Regel umfassen Entwicklungsberichte einen größeren Berichtszeitraum von zwei bis drei Jahren. In den Jahren, in denen kein Entwicklungsbericht geschrieben wird, muss jeweils ein Reflexionsbericht geschrieben werden. Diese Reflexionsberichte haben keine vorgegebene Struktur. Sie fassen im Rahmen eines Reflexionsprozesses über den Betreuten sowohl im Wohnbereich als auch im Afb die wesentlichen Ereignisse dieses Jahres zusammen. Ein Reflexionsbericht enthält im WB z. B. besondere Ereignisse (positive + negative), biografische Entwicklungen etc. im vergangenen Jahr (mit einer Länge von ca. 2 - 3 Seiten) und im Afb insbesondere eine Zusammenfassung der Ereignisse, Erfolge etc. in der Arbeitsgruppe (max. 2 Seiten).    
Reflexionsberichte werden ebenfalls in der GIB-Datenbank in der Maske 'Reflexionsberichte' geführt.

1. Erstellung

In der Präambel ist präzise definiert, wann vom verantwortlichen Betreuer der Entwicklungsbericht, der Grundlage für die weitere Kostenübernahme ist, abgeschlossen sein muss.

In der GIB-Datenbank ist sowohl für die Leistungs- und Entwicklungsberichte des Wohnbereichs als auch des Afb die Struktur des Entwicklungsberichts vorgegeben. Einzelne Teile des Berichts wie Deckblatt und der Abschlusssatz des Berichts werden automatisch von der GIB-Datenbank erstellt.

In der GIB-Datenbank ist außerdem ein Arbeitsablauf definiert, der die Zusammenarbeit zwischen dem verantwortlichen Mitarbeiter der Wohngruppe bzw. des Afb, seiner Gruppenleitung und der Wohnstättenleitung steuert. Dieser Ablauf ist in einer EDV-Dokumentation beschrieben, die von allen Mitarbeitern jederzeit über den Dateiserver eingesehen werden kann (siehe P:\A GIB e.V\3 Qualitätsentwicklung\Fort- und Weiterbildung\EDV-Dokumentationen\Dokumentation Berichte und Dokumente in der Datenbank.doc).

Wenn der Bericht in allen Teilen von der verantwortlichen Leitung freigegeben und gesperrt wurde, erfolgt der Export in eine Word-Datei. Hierfür sind die Leitungen und deren Sekretariate berechtigt. Beim Erstellen des Word-Dokuments ergänzt die GIB-Datenbank automatisch z. B. das Deckblatt des Berichts, die Diagnosen und die aktuelle Medikation des Betreuten sowie die Unterschriftszeile.

Der Erstellungsprozess und die Handhabung der Entwicklungsberichte in der GIB-Datenbank wird neuen Mitarbeitern im Rahmen der EDV-Grundlagenschulung vorgestellt. Selbstverständlich kann über die Leitung bei Bedarf eine Nachschulung beantragt werden.

2. Die Struktur des Entwicklungsberichts

A) Wohnbereich

1. Allgemeine Angaben

1.1  Biografische Entwicklung

Dieser Abschnitt enthält die wesentlichen biografischen Daten bis zum Enddatum des Entwicklungsberichts. Die Ausführungen zu diesem Punkt sollen das in der GIB-Datenbank vorgesehene Textfeld nicht überschreiten (ein volles Textfeld entspricht etwa einer Seite im Ausdruck).

1.2  Wohnsituation

Nur im ersten Entwicklungsbericht nach der Aufnahme beim GIB e. V. wird hier kurz die Situation vor der Aufnahme beschrieben.
Dann folgt eine Beschreibung der gegenwärtigen Wohnsituation, z. B. Herr / Frau ... lebt in der Wohngruppe … gemeinsam mit ... erwachsenen Männern und Frauen. Er / Sie bewohnt ein Einzelzimmer und nutzt den Sanitärraum gemeinsam mit einem Mitbewohner / einer Mitbewohnerin.

1.3  Tagesstruktur

Hier ist exemplarisch der komplette Tagesablauf darzustellen, wobei auf die Zeiten für die Beschäftigung außerhalb des Wohnbereiches, z. B. WfbM, Afb etc. hinzuweisen ist.
Der Tagesablauf an beschäftigungsfreien Tagen wird hier ebenfalls skizziert. Siehe hierzu auch das jeweils gültige Konzept der Wohnstätte.
Details hinsichtlich des Betreuungsaufwands werden erst in späteren Abschnitten geschildert.

2. Entwicklungsstand

Dieser Abschnitt orientiert sich am Schema der Erfassung des Hilfebedarfs von Metzler zur Einstufung in eine Hilfebedarfsgruppe in der Version vom Mai 2001.

Dieser Metzler-Bogen enthält 34 fortlaufend durchnummerierte Punkte, die in die Unterabschnitte

  • Alltägliche Lebensführung
  • Individuelle Basisversorgung
  • Gestaltung sozialer Beziehungen
  • Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben
  • Kommunikation und Orientierung
  • Emotionale und psychische Entwicklung
  • Gesundheitsförderung und -erhaltung

gegliedert sind.

Jeder einzelne Punkt muss den ermittelten individuellen Hilfebedarf des Betreuten darstellen. Dieser Hilfebedarf wird analog den Definitionen im Metzler-Bogen in vier Gruppen unterschieden:

A = vom Betreuten wird keine Hilfe erwünscht bzw. es ist keine Hilfe erforderlich
B = der Betreute benötigt Information, Assistenz oder Hilfestellung
C = der Betreute benötigt stellvertretende Ausführung bzw. Begleitung
D = der Betreute benötigt intensive Förderung, Anleitung oder umfassende
Hilfestellung

Damit eine stimmige Beschreibung möglich ist, wird zu jedem Metzlerpunkt zunächst die zutreffende HB-Kategorie ausgewählt. Anschließend wird für den jeweiligen Metzler-Punkt die Entwicklung im Berichtszeitraum im gleichnamigen Textfeld beschrieben.
Bei den Beschreibungen ist darauf zu achten, dass die Fähigkeiten der Betreuten nicht an einer Gruppe von Menschen mit schweren Behinderungen gemessen werden sondern an 'durchschnittlichen' Menschen.

Die in einem Metzler-Punkt thematisierten Vorgänge und Abläufe sind so zu schildern, dass immer auch der dabei entstehende Betreuungsaufwand, also die erforderliche personelle Unterstützung, erkennbar wird, sodass für jeden Punkt der angegebene Hilfebedarf (A, B, C oder D) belegt wird.

In der Regel wird für jeden Metzler-Punkt abschließend ein Betreuungsziel angegeben, das im nächsten Berichtszeitraum im Mittelpunkt der Förderung stehen soll. Ausgenommen hiervon sind lediglich Metzler-Punkte, die mit dem Hilfebedarf A (für kein Hilfebedarf) kategorisiert wurden.

Falls die HB-Kategorie D angegeben ist, muss dieses Ziel im Rahmen einer Förderzielplanung erfolgen. Diese Planung sollte die SMART-Kriterien erfüllen, d. h. sie sollte spezifisch, messbar, attraktiv / angemessen, realistisch und terminiert sein.

In einer Förderzielplanung werden
das Zielmerkmal: 'Erhalt der Fähigkeiten' bzw. 'Verbesserung der Fähigkeiten' bzw. 'Verlangsamung des Kompetenzverlusts im Rahmen eines hirnorganischen Abbauprozesses'

  • der Realisierungszeitraum: 'mittelfristig (1 - 3 Jahre)' oder 'langfristig (mehr als 3 Jahre)'
  • das operative Ziel: Die Kompetenz, die dem Betreuten vermittelt werden soll.
  • die Indikatoren: Hier wird beschrieben, wie das operative Ziel erreicht werden soll; ggf. werden hier auch Kriterien genannt, anhand derer das Erreichen des operativen Ziels beurteilt werden kann.

angegeben.

3. Prognose und weitere Empfehlungen

Dieser Abschnitt bietet Raum für kurze zusammenfassende Hinweise auf die erzielten Fortschritte und was sowohl kurzfristig als auch langfristig zu erreichen ist.

Anschließend erfolgt eine Aussage zur Leistungsgruppe bzw. Hilfebedarfsgruppe.

Am Schluss des Entwicklungsberichts fügt die GIB-Datenbank in die Endversion des Berichts automatisch den Satz ein, der den Mitarbeitern bei der Bearbeitung des Abschnitts 3. 'Prognose und weitere Empfehlungen' eingeblendet wird.

B) Arbeitsförderbereich

Der Entwicklungsbericht des Arbeitsförderbereichs wird immer zusammen mit dem des Wohnbereichs dem Kostenträger zugeschickt. Wesentliche Daten zu den Beschäftigten werden daher nicht nochmals aufgeführt, da sie bereits im Entwicklungsbericht des Wohnbereichs enthalten sind. Ein entsprechender Hinweis wird automatisch auf dem Deckblatt des Berichts ausgedruckt.

Individuelle Ausnahmen bei den externen Beschäftigten, die nicht beim GIB e. V. leben, werden von der AfbL im Einzelfall geregelt.

Der Entwicklungsbericht des Arbeitsförderbereichs hat folgende Gliederung:

  1. Allgemeine Hinweise zu unserem Afb
    Dieser Abschnitt enthält einen Textbaustein für den Afb HG bzw. Afb-VB.
  2. Beschreibung der Arbeitsgruppe
    Für jede Arbeitsgruppe sowohl in Gransee als auch im Afb-VB werden Textbausteine formuliert und bereit gehalten. In diesem Abschnitt wird der Textbaustein derjenigen Arbeitsgruppe eingefügt, in dem sich der Beschäftigte im Berichtszeitraum befunden hat. Sollte er innerhalb des Berichtszeitraums in verschiedenen Arbeitsgruppen gewesen sein, müssen die Textbausteine aller Arbeitsgruppen, in denen er war, hier eingefügt werden mit einer jeweils kurzen, frei formulierten Erläuterung, aus welchen Gründen die Arbeitsgruppe gewechselt wurde. In dieser Erläuterung wird auf die nähere Beschreibung unter Punkt 3 verwiesen. Die Textbausteine werden per Copy & Paste von den Mitarbeitern hier eingefügt.
  3. Fähigkeiten und individueller Hilfebedarf
    Hinweis: In den folgenden drei Punkten wird auch dargestellt, wenn im Berichtszeitraum aufgrund bestimmter Veränderungen oder Bedürfnisse des Beschäftigten ein Wechsel der Arbeitsgruppe erfolgt ist.

    3.1  Im kognitiven Bereich, inklusive Sprachkompetenz
    Dieser Text wird frei formuliert und muss mit dem Schweregrad der Intelligenzminderung korrespondieren.
    3.2  Im körperlichen Bereich
    Dieser Text wird frei formuliert und beschreibt alle motorischen Fähigkeiten und Hilfebedarfe, darüber hinaus werden hier auch Hilfsmittel wie Rollstuhl, Brille, Rollator etc. und der daraus entstehende zusätzliche Hilfebedarf beschrieben.
    3.3  Im psychischen und sozialen Bereich
    Dieser Text wird frei formuliert und beschreibt die individuellen Fähigkeiten insbesondere im sozialen und im psychischen Bereich, wie z. B. Ausgeglichenheit oder geringe Beeinträchtigung durch äußere Unruhe. Daneben ist hier der Hilfebedarf zu beschreiben, der durch Problemverhaltensweisen entsteht, die bedingt sind durch eine psychiatrische Erkrankung (hier ist auf die psychiatrischen Diagnosen Bezug zu nehmen). Die Problemverhaltensweisen sind bezüglich ihrer Häufigkeit und Intensität genau darzulegen, ebenso Einschränkungen von körperlichen und kognitiven Fähigkeiten in diesen Zeiträumen.
    Gibt es richterlich genehmigte freiheitsentziehende Maßnahmen, sind diese ebenfalls zu schildern.

  4. Individuelle Beschäftigungsangebote und ihre praktische Umsetzung

    4.1  Arbeitszeiten im Berichtszeitraum
    Hier wird die der jeweiligen psychophysischen Konstitution des Beschäftigten angepasste Arbeitszeit beschrieben. Sollten sich unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und Möglichkeiten des Beschäftigten die Arbeitszeiten im Berichtszeitraum ändern, wird dies entsprechend dargestellt, unter Bezug auf die Hinweise, die in Punkt 3 gegeben werden.
    4.2  Beschäftigungsangebote
    Dieser Text wird frei formuliert und beschreibt die Palette der verschiedenen Arbeiten, die von dem Beschäftigten im Berichtszeitraum ausgeführt wurden. Dabei wird im Detail dargestellt, welche Arbeitsschritte er eigenständig bzw. mit welcher Unterstützung durchführen konnte. Wenn die eigenständigen Fähigkeiten bzw. der Unterstützungsbedarf sich im Zusammenhang mit dem in den Punkten 3.2 und 3.3 Beschriebenen verändert, wird dies hier ebenfalls geschildert.

  5. Förderung
    Zur Bearbeitung dieses Punktes gibt es zwei Möglichkeiten, die einzeln oder auch beide genutzt werden können:

    a.  In einem frei formulierten Text wird zusammenfassend dargestellt, welche Alltagsförderungen (z. B. Esstraining, Tischdecken, Knöpfe schließen) und welche Förderplanungen (siehe das Modul Afb-Förder­planungen in der GIB-Datenbank) im Berichtszeitraum durchgeführt wurden.
    b. Darüber hinaus können dem Bericht die Ausdrucke von Afb-Förder­pla­nungen beigefügt werden. Wenn man dies möchte, kommt an den Schluss dieses Kapitels der folgende Satz:
    Im Anhang dieses Berichts finden sich Ausarbeitungen der folgenden Förderplanungen aus dem Berichtszeitraum:  
    Es folgen dann die Namen der Förderplanungen, die beigefügt werden.

  6. Arbeitsgruppenübergreifende Angebote
    In freiem Text wird hier beschrieben, an welchen regelmäßigen oder besonderen arbeitsgruppenübergreifenden Aktivitäten der Beschäftigte im Berichtszeitraum teilgenommen hat.
  7. Resümee
    Hier werden eine kurze Zusammenfassung der Entwicklung im Berichtszeitraum formuliert und eine sich daraus ableitende prognostische Aussage. Den Abschluss bildet die begründete Einschätzung, wie realistisch bzw. unangemessen eine Beschäftigung in einer WfbM ist.

Diese Abschnitte finden sich in der Maske 'Entwicklungsbericht Afb' der GIB-Datenbank.
Zu den Inhalten der einzelnen Überschriften finden sich Hinweise in den Dokumenten 2.2.5.0 ‚Anleitung zum Führen des Beschäftigten-Dokumentationssystems’ und 2.2.5.1 ‚Anleitung zur Förderung im Arbeitsförderbereich’.

3. Archivierung

Die Entwicklungsberichte werden nach Freigabe von den Sekretariaten der WL in der GIB-Datenbank fortlaufend archiviert. In Papierform werden sie im Verwaltungsordner für fünf Jahre abgelegt, danach werden sie geschreddert.
Entwicklungsberichte, die nicht in der GIB-Datenbank geschrieben wurden, werden dauerhaft in Papierform archiviert.

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