QualitätsHandBuch

der GIB-Stiftung und des GIB e.V.

QHB LEISTUNGSPROZESSE

2.2.2.3 AL Mundpflege

Autor/en:
QZ HG, LR
gültig seit:
30.04.2001
aktualisiert am:
01.08.2019

Anleitung zur Mund-, Zahn- und Prothesenpflege

Präambel

Ein gepflegter Mund gehört zu den wesentlichen Bedürfnissen eines jeden Menschen. Mundgeruch wird als besonders störend erlebt. Essensreste, die zwischen den Zähnen allmählich faulen, wirken nicht nur appetithemmend, sie können auch verschiedene Erkrankungen auslösen.
Die bei uns lebenden Betreuten führen mehrheitlich die Mundpflege nicht selbstständig oder nur unzureichend durch. Sie bedürfen daher überwiegend der Unterstützung, die sich in Art und Umfang nach dem individuellen Bedarf richtet.

Entsprechend der Vorgabe auf dem Formblatt 'Routineuntersuchungen' (siehe 2.2.2.4 Bewohner-Dokumentationssystem-Formblätter 4 Medizinische Dokumentation) ist im Sinne der Prophylaxe mindestens einmal pro Jahr eine zahnärztliche Untersuchung durchzuführen.

1.    Zahnpflege

1.1 Vorbereitung

Zweimal täglich (morgens und abends vor dem Zubettgehen) müssen bei jedem Betreuten die Zähne – soweit vorhanden - geputzt werden.

Jeder Bewohner verfügt über

  • eine manuelle oder elektrische Zahnbürste (gerundete Kunststoffborsten, mittlere Borstenstärke),
  • einen persönlich zugeordneten Zahnputzbecher und
  • Zahnpasta (persönliche Vorlieben sollten berücksichtigt werden, zahnärztliche Empfehlungen sind einzuhalten).

Die Utensilien müssen immer hygienisch einwandfrei aufbewahrt werden. Zahnbürste und Zahnputzbecher haben in einem sauberen Zustand zu sein. Der Bürstenkopf muss trocknen können, die Zahnbürste steht also im Zahnputzbecher mit dem Kopf nach oben. Die Borsten müssen unversehrt sein. Die Zahnbürste wird mindestens alle drei Monate gewechselt.

1.2 Zahnputztechnik

Vor dem Putzen sollte nach Möglichkeit der Mundraum kräftig mit klarem Wasser ausgespült werden, um Speisereste und Rückstände von säurehaltigen Getränken, wie Cola oder Fruchtsäften, zu entfernen.

Das Putzen erfolgt nach dem Außen – Innen – Mitte – Schema. So ist gewährleistet, dass keine Zahnflächen beim Putzen vergessen werden.

Während des Putzens darf die Bürste nicht zu fest angedrückt werden, da sonst Zahnfleisch und Zahnhälse geschädigt werden können. Verbogene Borsten nach ein- bis zweiwöchiger Benutzung sind ein sicheres Zeichen für einen zu hohen Anpressdruck.

Zum Abschluss wird der Mund gründlich ausgespült.

Der gesamte Putzvorgang sollte nach Möglichkeit drei Minuten dauern.

Da die Putztechnik nicht einfach zu erlernen ist und von vielen Betreuten nie selbstständig ausgeführt werden wird, kann die Anschaffung einer elektrischen Zahnbürste empfehlenswert sein.

2.  Prothesenpflege

Zahnprothesen sind Wertgegenstände!

Daher wird für jeden Betreuten, der eine Teil- oder Totalprothese trägt, ein Prothesenpflegeset angeschafft. Die Prothesenschale wird mit seinem Namen beschriftet. Die Häufigkeit der Prothesenreinigung ist mit dem Zahnarzt festzulegen.

Die Prothese wird erst unter fließendem Wasser abgespült, dann mit einer harten Zahnbürste und milden Reinigungsmitteln/Zahnpasta gründlich gesäubert. Es ist sinnvoll, diesen Reinigungsvorgang über einem mit Wasser gefüllten Handwaschbecken durchzuführen. Dadurch können Beschädigungen vermieden werden, falls die Prothese aus der Hand rutscht.

Totalprothesen werden über Nacht herausgenommen, gründlich gereinigt und in einer Prothesenschale aufbewahrt.

Bevor die Prothese wieder eingesetzt wird, muss der Mund mit Wasser ausgespült und die Prothese mit Wasser abgespült werden.

Sollten Beschädigungen der Prothese festgestellt werden, darf diese nicht mehr eingesetzt werden. Zeitnah ist mit dem behandelnden Zahnarzt zu klären, ob eine Weiterverwendung, Reparatur oder Neuanschaffung notwendig ist.

Sollte sich bei einer geduldigen andragogischen Förderung zeigen, dass der Betreute immer wieder zu erkennen gibt, dass er keine Zahnprothese möchte (Zerstörung oder Entsorgung), ist mit dem gesetzlichen Betreuer und dem Zahnarzt zu besprechen, dass auf dieses Hilfsmittel verzichtet wird.

Die Mundschleimhäute werden vor jedem Einsetzen auf Druckstellen, Rötungen und Speisereste kontrolliert. Bei Entzündungen, Rötungen und Druckstellen wird die Prothese lediglich zu den Mahlzeiten eingesetzt und in der übrigen Zeit in der Prothesenschale nach Anleitung des Pflegesets aufbewahrt. Um eine Kieferatrophie zu vermeiden, darf die Prothese nie über einen längeren Zeitraum hinaus nicht eingesetzt werden.

Wenn eine derartige Druckstelle festgestellt wird, ist der Betreute umgehend dem Zahnarzt vorzustellen.

Sofern noch eigene Zähne vorhanden sind, müssen auch diese gereinigt werden.

Außerdem werden die Kieferkämme, der Gaumen sowie die Zunge mit einer weichen Bürste gereinigt, um Speisereste oder Prothesenkleber zu entfernen.

3.  Mundhygiene

Unabhängig vom Zahnstatus (auch bei zahnlosen Betreuten) ist es notwendig, den Mund zu spülen und die Kieferkämme, eventuell auch den Gaumen sowie die Zunge mit einer weichen Zahnbürste zu reinigen.

Vor allem bei Betreuten mit Mundtrockenheit sind nach der Reinigung spezielle Mund- und Rachentherapeutika einzusetzen. Diese sind mit dem behandelnden Zahnarzt abzusprechen.

Diese Mundhygienemaßnahmen sind auch bei Betreuten durchzuführen, die durch eine Magensonde ernährt werden.

Trockene oder rissige Lippen und/oder Mundwinkel werden mit Panthenol oder Vaseline eingefettet.

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