QualitätsHandBuch

der GIB-Stiftung und des GIB e.V.

QHB LEISTUNGSPROZESSE

2.2.3.1 VA Behandlungspflege Medikamentengabe

Autor/en:
E. Boehlke, B. Römer, M. May
gültig seit:
31.03.2004
aktualisiert am:
10.12.2018

Verfahrensanweisung zur Behandlungspflege, insbesondere der Medikamentengabe

Präambel

Unter dem Aspekt des Normalisierungsprinzips ist davon auszugehen, dass sich jeder Mensch, also auch die bei uns lebenden Betreuten, eigenverantwortlich um die Einnahme erforderlicher Medikamente kümmert. Ist ein solches Ziel bei einzelnen Betreuten denkbar, soll hierfür eine entsprechende spezifische individuelle Förderung festgelegt werden.
Die meisten der von uns Betreuten sind aufgrund ihrer Intelligenzminderung nicht in der Lage, notwendige Medikamente ordnungsgemäß einzunehmen. Sie haben daher Anspruch darauf, dass ihnen das richtige Medikament zur richtigen Zeit, in der richtigen Dosis und in der richtigen Art und Weise verabreicht wird. Grundsätzlich dürfen keine Aushilfskräfte, Praktikanten und Mitarbeiter, die nicht zu den Betreuungsmitarbeitern gehören, Medikamente verabreichen. Die Wohnstättenleitung/Afb-Leitung legt namentlich fest, welche Mitarbeiter berechtigt sind, Medikamente zu geben.

In der Regel werden Medikamente von Fachkräften verabreicht. Bei neuen Mitarbeitern, die Fachkräfte sind, werden diese praktisch in das Stellen und Verabreichen der Medikamente in ihrer Gruppe unter Anleitung der Gruppenleitung bzw. des Medikamentenverantwortlichen oder der Wohnstättenleitung eingewiesen. Diese Einweisung wird im Formblatt 2.2.3.1 FB 01 'Protokoll zur Genehmigung der Medikamentengabe' dokumentiert.

Es ist möglich, das Stellen und Verabreichen oral einzunehmender Medikamente an Nichtfachkräfte zu delegieren, wenn sicher gestellt ist, dass diese über das notwendige Wissen und Können verfügen und eine regelmäßige Überprüfung durch Fachkräfte gewährleistet ist. Eine solche Delegation ist frühestens nach Beendigung der Probezeit möglich.
Dazu schlägt die GL ihrer Leitung vor, welche Nichtfachkraft ihrer Meinung nach Medikamente stellen und verabreichen könnte. Wenn die WL/AfbL zustimmt, wird der Mitarbeiter entsprechend geschult. Dabei überzeugt sich die GL/der Medikamentenverantwortliche mindestens 10 x persönlich davon, dass der Mitarbeiter verantwortlich und inhaltlich in der Lage ist, diese Aufgabe zu erfüllen. Die WL/AfbL entscheidet dann, ob dieser Mitarbeiter die Berechtigung zur Medikamentengabe erhält. Dieser Vorgang und das Ergebnis werden ebenfalls auf dem Formblatt 2.2.3.1 FB 01 'Protokoll zur Genehmigung der Medikamentengabe' dokumentiert.
Bei einer Nichtfachkraft hat sich ein Arzt, der im Unternehmen beschäftigt ist, davon zu überzeugen, dass diese für eine Medikamentengabe geeignet ist und dokumentiert dies auf dem vorgenannten Formblatt mit seiner Unterschrift.

Alle Mitarbeiter, die Aufgaben im Zusammenhang mit Medikamenten wahrnehmen, müssen regelmäßig über den sachgerechten Umgang geschult werden. Diese Schulungen übernimmt bei GIB der Apotheker, mit dem ein Versorgungsvertrag abgeschlossen ist. Alle Mitarbeiter, die Medikamente stellen und verabreichen, müssen daher mindestens 1 x jährlich an einer derartigen Schulung teilnehmen.
Fachkräften kann entsprechend den obigen Festlegungen die Genehmigung zur Gabe von Medikamenten erteilt werden, bevor sie an einer solchen Schulung teilgenommen haben.
Soll die Delegation an Nichtfachkräfte erfolgen, müssen diese, bevor die WL/AfbL eine solche Delegation genehmigt, an einer entsprechenden Schulung teilgenommen haben.

Im Bedarfsfall gibt es bei einzelnen Betreuten neben der oralen Medikamentengabe andere Formen wie z. B. die s.c.-Gabe von Insulin sowie weitere Maßnahmen der Behandlungspflege, die ebenfalls hier geregelt werden.

Die direkte und unmittelbare Behandlung der Betreuten erfolgt durch niedergelassene Ärzte ("Vertragsärzte") bzw. bei entsprechender Notwendigkeit im Krankenhaus. Im Vorfeld und parallel zu dieser Behandlung sind bei GIB ein internes ärztlich-medizinisches Qualitätscontrolling und eine Qualitätsentwicklung etabliert.

Bei Betreuten, die neu aufgenommen werden, wird in der Regel die bestehende Dauer- ebenso wie die Bedarfsmedikation übernommen. Diese ist spätestens nach drei Monaten im Rahmen der medizinischen Qualitätsentwicklung durch den zuständigen Arzt zu überprüfen.

1. Anordnung

Verschreibungspflichtige Medikamente werden durch den jeweils behandelnden Arzt rezeptiert. Neue Medikamente bzw. Veränderungen einer bestehenden Medikation werden vom Arzt in der Bewohner-Dokumentation auf dem Formblatt 'Medizinische Dokumentation' eingetragen und abgezeichnet. Aus der schriftlichen Anordnung müssen gut lesbar hervorgehen: Name des Medikaments, Verabreichungszeiten und Dosierung und ggf. die Dauer der Gabe. Zu einem solchen Eintrag bzw. dem Ergänzen des bundeseinheitlichen Medikamentenplans ist der Arzt grundsätzlich von Gesetzes wegen verpflichtet (§ 31a, Abs. 4, Satz 1 SGB V).

Sollte der Arzt hierzu nicht bereit sein, muss dies auf dem Formblatt 'Medizinische Dokumentation' von dem Mitarbeiter dokumentiert werden, der mit dem Arzt gesprochen hat. Wenn uns ein Rezept für eine solche Verordnung vorliegt, wird dieses kopiert und mit entsprechendem Vermerk in das Formblatt 'Medizinische Dokumentation' eingeklebt.
Für externe Beschäftigte im Afb gibt es das FB 02 'Vereinbarung zur Gabe von Medikamenten im Arbeitsförderbereich bei externen Beschäftigten'. Bei den Aufnahmegesprächen wird dieses FB dem Beschäftigten bzw. seinem gesetzlichen Betreuer übergeben mit der Bitte, dieses vollständig auszufüllen und vom behandelnden Arzt unterschreiben zu lassen. Dieses FB muss spätestens am ersten Tag der Beschäftigung vorliegen, da sonst keine Medikamente gegeben werden. Dieses FB muss vom gB immer dann, wenn ein Medikament geändert wird, vollständig ausgefüllt an die Afb-Leitung übergeben werden. Dieses ist an der vorgesehenen Stelle des Ordners 'Beschäftigten-Dokumentation' abzulegen.

In medizinischen Notfällen oder bei Unabkömmlichkeit des Arztes muss der Betreuer auch einer telefonischen mündlichen Anordnung Folge leisten. Die Anordnung des Arztes wird während des Telefonats in das Formblatt 'Medizinische Dokumentation' eingetragen, dem Arzt nochmals vorgelesen und mit dem Vermerk 'vorgelesen und genehmigt' mit Handzeichen versehen. Der Eintrag wird zeitnah dem Arzt vorgelegt und von diesem abgezeichnet.

Da es in der Beschäftigten-Dokumentation das FB 'Medizinische Dokumentation' nicht gibt, wird dort der Eintrag in der laufenden Tagesdokumentation vorgenommen.

2. Beschaffung und Aufbewahrung

Der verantwortliche Betreuer (siehe 2.2.4.1, 4. Medizinischer Teil) veranlasst, dass die rezeptierten Medikamente baldmöglichst - am besten gemeinsam mit dem Betreuten - in der Apotheke besorgt werden. Wenn ein Dauermedikament zu Ende geht, wird rechtzeitig ein neues Rezept besorgt.

Im Alltag werden im Rahmen der Apothekenverträge die Medikamente von der Apotheke auch direkt in die Wohngruppe geliefert.
Sobald das Medikament in die Wohngruppe kommt, wird geprüft, ob der Name des Betreuten korrekt auf der Verpackung vermerkt ist und ggf. ergänzt. Alle Medikamente werden im jeweiligen Fach des Betreuten im Arzneimittelschrank (Dienstzimmer) sicher und nach Vorgabe des Herstellers aufbewahrt, bis auf die nach Herstellervorgabe kühlpflichtigen Medikamente. In der Regel sind diese im Medikamentenkühlschrank zu lagern, steht ein solcher nicht zur Verfügung, sind sie in einer entsprechend gekennzeichneten Box in einem Kühlschrank zu lagern.
Handelt es sich um ein neues Medikament, kommt der Beipackzettel in das Dokumentationssystem des entsprechenden Betreuten als letzte Ablage des Medizinischen Teils (siehe Dokument 2.2.4.1, 1. Gliederung des Bewohner-Dokumentationssystems, 4) Medizinischer Teil).
Die Mitarbeiter halten den Arzneimittelschrank sowie alle Aufbewahrungsbehältnisse in einem hygienisch einwandfreien Zustand. Der Medikamentenschrank bleibt verschlossen, sofern keine Medikamente entnommen oder hinzugefügt werden müssen. Die Medikamentenschränke haben ein elektronisches Schließsystem, so dass nur die jeweils berechtigten Mitarbeiter Zugang haben.

Vom Betreuten nicht mehr benötigte Medikamente und/oder mit überschrittenem Verfallsdatum werden an die Stabsstelle Medizinische Qualitätsentwicklung zurückgegeben.

3. Verabreichung

Vor dem Stellen und der Gabe von Medikamenten werden immer die Hände gewaschen.
Alle Medikamente werden stets anhand der Tagesdokumentation/im Afb anhand des FB 02 gerichtet.

Für Tabletten, Dragees, Kapseln etc. gilt folgendes Vorgehen:
In jeder Gruppe gibt es so genannte 'Medi-Becher'. Diese werden jeweils in ein spezielles Tablett gestellt, welches spezifisch für die jeweilige Gruppe an den entsprechenden Vertiefungen eindeutig mit den Namen der Betreuten beschriftet ist. Sobald der Name nicht mehr sicher lesbar ist, muss neu beschriftet werden.
Unmittelbar vor der Medikamentengabe werden von einem hierfür berechtigten Mitarbeiter im Dienstzimmer alle Medikamente grundsätzlich direkt der Blister- bzw. der Originalpackung entnommen und in die Medi-Becher verteilt.
Direkt im Anschluss werden von demselben Mitarbeiter den entsprechenden Betreuten die Medikamente verabreicht, hierbei ist auf eine zuverlässige Einnahme zu achten.
In Situationen, in denen nur einem einzelnen Betreuten eine Medikation verabreicht wird (z. B. zu besonderen Uhrzeiten oder im Afb), ist obiges Vorgehen analog durchzuführen, wobei hierfür kein eigenes Medikamententablett benötigt wird.

Tropfen, Salben und Säfte werden beim Anbruch auf der Packung mit dem Datum und dem Verbrauchsdatum versehen. (Dieses ist entsprechend den Herstellerangaben selbst zu berechnen. Wird eine Salbe z. B. am 26.09.2018 angebrochen und kann nach Herstellerangaben drei Monate nach Anbruch verwendet werden, ist mit dem Hinweis "Verwendbar bis" der 25.12.2018 auf der Salbe zu notieren.)

Sofern keine anders lautenden ärztlichen Anordnungen getroffen worden sind, werden die oralen Medikamente jeweils im Zusammenhang mit den Mahlzeiten (Frühstück, Nachmittagskaffee, Abendbrot) gereicht. Alle übrigen Medikamente (z. B. Insulin, Augentropfen, äußerliche Anwendungen) werden nach individuellen Zeitvorgaben verabreicht.
Ist die Gabe eines Medikaments ärztlich zu einem Zeitpunkt angeordnet, zu dem der Betreute im Afb beschäftigt ist, muss der Mitarbeiter, der diese Anordnung gegenzeichnet, das Formblatt kopieren. Diese Kopie ist schnellstmöglich an den Afb  weiterzuleiten. Solche Fälle treten nur ausnahmsweise auf. Die Gabe dieser Medikamente wird im Formblatt 'Medikamentengabe Arbeitsförderbereich' von dem Mitarbeiter, der das Medikament im Afb verabreicht, dokumentiert.
Wird die Medikation bei einem Betreuten geändert, der eine externe Tagesstruktur besucht, wird diese Institution ebenfalls zeitnah darüber informiert.

In vielen Fällen reicht es, dem Betreuten das Medikament zusammen mit einem Getränk bereitzustellen und an die Einnahme zu erinnern. Bei anderen bedarf es mehrfachen guten Zuredens zur Einnahme der Medikamente bis hin zur Verabreichung direkt in den Mund. Bei Schluckproblemen und/oder Verweigerung ist zusammen mit dem Arzt eine angemessene Lösung zu überlegen. Über die Art und Weise der Hilfestellung wird individuell nach Situation entschieden.

Nicht nur im Sinne des Wahrhaftigkeitsprinzips, sondern auch aus juristischen Gründen dürfen Medikamente nicht 'verdeckt', d. h. ohne Wissen des Betreuten verabreicht werden.

Besondere Verabreichungsformen der Medikamente bei einzelnen Betreuten, wie z. B. über eine PEG-Sonde, werden in einer individuellen bewohnerbezogenen Vorgabe exakt beschrieben. Im Bedarfsfall gibt es hierzu eine spezifische Einweisung mit entsprechender Dokumentation für die Mitarbeiter, die solche Medikamente mit besonderer Verabreichungsform geben.

Besondere Formen der Medikamentengabe wie s.c.- Injektionen und Vaginalzäpfchen werden entsprechend dem Formblatt 2.2.3.1 FB 01 'Protokoll zur Genehmigung der Medikamentengabe' gesondert geschult.
Bei Betreuten kann es auch Medikamentengaben in Form von i.m.-Injektionen geben. Die Übernahme dieser Verabreichungsform kann nur an medizinisch geschulte Fachkräfte delegiert werden.

4. Beobachtung und Dokumentation

Nach Verabreichung der Medikamente wird dies im Formblatt 'Tagesdokumentation', im Afb im FB 'Medikamentengabe Afb' von dem verabreichenden Mitarbeiter festgehalten und abgezeichnet (siehe Kürzelliste). Alle eventuellen besonderen Vorkommnisse bei der Verabreichung müssen auf der Rückseite dieses Formblattes eingetragen werden!

Verweigert ein Betreuter die Einnahme seiner Medikamente, so versuchen die Betreuer den Betreuten zu überzeugen, die Medikamente einzunehmen bzw. im Gespräch herauszufinden, warum er die Einnahme verweigert. Gelingt es nicht, den Betreuten dazu zu bewegen, seine Medikamente einzunehmen, ist der Arzt, der Rufbereitschaft hat, zu verständigen.

Bei allen Medikamenten können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Um sicher zu gehen, dass die verabreichten Medikamente zum Nutzen und nicht zum Schaden des Betreuten beitragen, bedarf es einer gezielten Beobachtung.

Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, sich über die Wirkungsweise der Medikamente zu informieren.

Die Wirkung der Medizin auf den Betreuten wird gezielt beobachtet:

  • Nehmen bestimmte Symptome zu oder ab?
  • Treten zuvor nicht bekannte Beschwerden/Reaktionen zunehmend auf?

Alle Beobachtungen werden auf der Rückseite der Tagesdokumentation dokumentiert. Der Betreuer informiert entsprechend den Arzt beim nächsten Besuch, in dringenden Fällen gegebenenfalls auch sofort telefonisch.

5. Bedarfsmedikation

Für leichte Befindlichkeitsstörungen oder banale Alltagsereignisse wie z. B. Insektenstiche gibt es in der Hausapotheke einige Medikamente (siehe Dokument 2.2.3.7). Diese Medikamente können für ein bis zwei Tage ohne Rücksprache mit einem Arzt gegeben werden. Sollte eine weitere Behandlung erforderlich erscheinen, muss Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden.
Entsprechend der Checkliste des Dokuments 2.2.3.7 muss abweichend hiervon bei Durchfallerkrankungen vor der Gabe von Kohlekompretten sowie bei Übelkeit vor der Gabe von Vomex A Supp die Anordnung von einem Arzt eingeholt werden.

Bedarfsmedikamente sind Arzneimittel, die nicht regelmäßig zu bestimmten Zeiten genommen werden, sondern nur dann, wenn ein bestimmtes bekanntes Symptom auftritt oder sich verstärkt. Damit bei sporadisch verlaufenden Beschwerden, bei massiven Unruhezuständen oder z. B. einem prolongierten epileptischen Anfall (Grand mal, siehe QHB Dokument Nr. 2.2.3.8 'VA zum Vorgehen bei epileptischen Anfällen') nicht jedes Mal der Arzt gerufen werden muss, und um den Betreuten nicht unnötig lange leiden zu lassen, wird für einen solchen Bedarfsfall ein bestimmtes Medikament ärztlich als dauerhafte Bedarfsmedikation angeordnet. Dabei unterscheiden wir zwei Formen der Bedarfsmedikation. Zum einen gibt es Bedarfsmedikationen, die angeordnet werden auf der Grundlage von Erfahrungswerten, vor deren Gabe jedoch der Arzt angerufen werden muss. Zum anderen gibt es Bedarfsmedikationen, bei denen die Betreuer eigenverantwortlich entscheiden, wann der definierte Bedarfsfall gegeben ist und somit das angeordnete Medikament verabreicht wird. Diese beiden Formen sind auch im Eintrag in der Tagesdokumentation zu unterscheiden. Der zuständige Mitarbeiter ist dafür verantwortlich, dass die Anordnung des Arztes für solche dauerhaften Bedarfsmedikationen eingescannt und in der Datenbank im Betreutenarchiv unter der Rubrik "Medizinische und pflegerische Betreuung" abgelegt wird (siehe auch Dokument 2.2.3.2).

Sobald der Bedarf über einen gewissen Zeitraum nicht mehr gegeben ist, müssen die Mitarbeiter einen Hinweis an den verordnenden Arzt geben, damit dieser gegebenenfalls die Bedarfsmedikation absetzen kann.
Eine bestehende Bedarfsmedikation ist im Rahmen der medizinischen Qualitätsentwicklung durch den zuständigen Arzt mindestens alle zwei Jahre bezüglich ihrer Indikation zu überprüfen.

Bei einigen Betreuten gibt es eher seltener Krisensituationen bzw. massive ängstliche Reaktionen bei ärztlichen Untersuchungen (Röntgen, Zahnarzt usw.). Aus der Erfahrung heraus ist bei diesen Betreuten bekannt, dass einzelne Medikamente in einer bestimmten Dosis besonders gut wirken. Solche Medikamente werden ebenfalls als Bedarfsmedikation eingetragen, jedoch mit dem Vermerk "nur nach Rücksprache mit dem Arzt".

Analog zu - Punkt 3. Verabreichung - wird der Afb über eine solche Bedarfsmedikation informiert.

Verschreibungspflichtige Bedarfsmedikamente werden grundsätzlich über ein Arztrezept für den betreffenden Betreuten besorgt. Der Arzt trägt im Formblatt 'Medizinische Dokumentation' den Namen des Medikaments und die Einzel- bzw. maximale Tagesdosierung sowie die definierte Bedarfssituation ein.

Die Verabreichung dieser Bedarfsmedikationen wird in der 'Tagesdokumentation' / 'Medikamentenblatt Afb' an vorgesehener Stelle mit Uhrzeit und Handzeichen eingetragen. Zusätzlich erfolgt in der GIB-Datenbank ein entsprechender Eintrag in der Maske 'Betreute', Button 'Freiheits­entz. Maßn., Bedarfsmed.'.
Der Grund, der zur Verabreichung einer Bedarfsmedikation geführt hat, wird auf der Rückseite des Formblattes 'Tagesdokumentation' (WB) bzw. in der 'Tagesdokumentation Arbeitsförderbereich' dokumentiert, ebenso alle weiteren Maßnahmen, die ergriffen werden. Das Ergebnis der Intervention wird mit Uhrzeit im Bericht festgehalten.

Es kann auch akute Krisensituationen bei Betreuten geben, bei denen keine Bedarfsmedikation angeordnet ist. Im Bedarfsfall erfolgt nach telefonischer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt in einer solchen Situation ebenfalls die Anordnung einer Bedarfsmedikation. Eine solche Bedarfsmedikation wird entsprechend den Vorgaben des Dokuments 2.2.3.2 dokumentiert.

Zusätzlich erfolgt im Formblatt 'Medizinische Dokumentation' ein Eintrag, in dem die Krisensituation beschrieben und der Anruf mit dem behandelnden Arzt und dessen Anordnungen dokumentiert wird. Abschließend wird vermerkt "vorgelesen und genehmigt" und mit dem Handzeichen gegengezeichnet."
Von den Bedarfsmedikationen werden lediglich die Gaben von Schmerzmitteln und Psychopharmaka (inklusive Midazolamspritzen), wie oben beschrieben, in die Datenbank eingepflegt.

6. Betäubungsmittel

Als Betäubungsmittel (kurz BTM) werden Substanzen bezeichnet, die in der Lage sind, die Bewusstseinslage oder Stimmung erheblich zu beeinflussen und außerdem nicht unerhebliche Nebenwirkungen haben können. Da BTM psychisch und/oder physisch abhängig machen können, ist ihre Nutzung nur in Ausnahmefällen und unter strikten Auflagen gestattet.
Das BTM-Gesetz legt fest, unter welchen Bedingungen diese Mittel verschrieben, beschafft, genutzt und ggf. vernichtet werden müssen. Außerdem stellt es deren Missbrauch unter Strafe.

Über das in den Abschnitten 1. – 4. Genannte hinaus, ist beim Umgang mit BTM noch Weiteres zu beachten:

  • BTM müssen konsequent und lückenlos vor unberechtigtem Zugriff durch Dritte geschützt werden. Dazu müssen sie getrennt von anderen Medikamenten gelagert werden.
  • In §15 Betäubungsmittelgesetz (BtMG) heißt es: "Wer am Betäubungsmittelverkehr teilnimmt, hat die BTM, die sich in seinem Besitz befinden, gesondert aufzubewahren und gegen unbefugte Entnahme zu sichern".
    In den Wohngruppen/Afb-Standorten, in denen sich ein Bewohner/Beschäftigter befindet, der regelmäßig ein Medikament erhält, welches unter das BtMG fällt, gibt es eine verschließbare BTM-Box, die mit dem Vermerk "BTM-Box" beschriftet ist. Diese steht in dem abschließbaren Medikamentenschrank. Sollte es in einer WG/einem Afb-Standort mehrere Bewohner/Beschäftigte geben, die ein BTM-Medikament erhalten, werden diese gemeinsam mit dem entsprechenden BTM-Heft in dieser Box gelagert.
  • In diesem Heft erfolgt präzise - entsprechend den dortigen Vorgaben - die Dokumentation. Korrekturen dürfen nicht durch Schwärzen erfolgen. Fehlerhafte Eintragungen müssen so durchgestrichen werden, dass der ursprüngliche Eintrag noch lesbar ist. Die Korrektur ist von zwei Mitarbeitern durch Handzeichen zu bestätigen.
  • In dem jeweiligen Medikamentenfach des Betreuten gibt es einen Platzhalter für das BTM-Medikament.
Downloads Anlagen (PDF- und/oder Word-Datei (.docx)
2.2.3.1 FB01 Protokoll Medikamentengabe
2.2.3.1 FB02 Medikamentengabe Beschäftigte extern
2.2.3.1 BeispieleMedikationTagesdokumentation

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