QualitätsHandBuch

der GIB-Stiftung und des GIB e.V.

QHB LEISTUNGSPROZESSE

2.2.3.3 AL Wundversorgung

Autor/en:
Dr. W. Köller, LR
gültig seit:
31.03.2004
aktualisiert am:
25.02.2019

Anleitung zur Versorgung von Wunden

Präambel

Wie in jedem Alltag können Menschen, die bei GIB leben oder arbeiten, sich aus unterschiedlichsten Gründen verletzen. Es ist vorrangig zu entscheiden, ob es sich um eine einfache Wunde handelt, die direkt selbst versorgt werden kann oder um eine Wunde, die einer ärztlichen Behandlung bedarf (z. B. eine pulsierend spritzende Blutung).
In letzterem Fall ist eine angemessene Erste Hilfe zu leisten und umgehend der Notarzt zu rufen.
Für die Versorgung einfacher Wunden gibt diese Anleitung Empfehlungen.
Das hierfür erforderliche Material befindet sich in der Hausapotheke (siehe 2.2.3.7).

Nach der Erstversorgung der Wunde ist der ausreichende Impfschutz gegen Tetanus sicherzustellen.

1. Wundarten

Schürfwunden: Oberflächliche Abschürfungen unterschiedlicher Tiefe, die jedoch nur in sehr geringem Ausmaß die Subcutanschicht erreichen.
Riss- und Quetschwunden: Unregelmäßige Hauteinrisse oder -aufplatzungen unterschiedlicher Tiefe, Schwellung und unregelmäßiger Wundcharakter stehen im Vordergrund. Die Wundränder lassen sich nicht einfach aneinanderlegen.
Schnittwunden: Glatte Wundränder bei verhältnismäßig geringer Schwellung und eher größerer Tiefe. Die Wundränder lassen sich gut aneinanderlegen.
Bisswunden: Oftmals tiefe Wunden, die häufig in Kombination mit Risswunden und Quetschungen auftreten. Achtung: Hohes Infektionsrisiko, da sich die Wunde oft nicht optimal reinigen lässt.

2. Versorgung einfacher Wunden durch Mitarbeiter von GIB

Falls erforderlich, ist als erstes die Wunde zu reinigen.
Dazu sind ein Desinfektionsmittel (z. B. Betaisodona-Lösung) und sterile Tupfer zu verwenden. Die Wunde wird abgetupft und von der Mitte nach außen gereinigt. Stärker blutende Wunden werden nach Bedarf nur außerhalb des Wundrandes gereinigt, danach die Wundränder zusammengeschoben und unter Druck die Blutung bis zur Gerinnung gestoppt. Ist dies in angemessener Zeit (ca. 15 Minuten) nicht möglich, ist ein Notarzt zu rufen.

Angemessen ist:

  • Bei oberflächlichen (Schürf-)Wunden eine trockene keimarme Abdeckung bis zur Verschorfung.
  • Bei Riss- Quetsch- und Schnittwunden, je nach Größe und Wundbeschaffenheit, versuchen, mit Hilfe eines Leukostrip® (aus der Hausapotheke) die Wundränder so eng wie möglich miteinander zu verbinden. Gibt es vor Ort eine Person, die im Umgang mit Gewebeklebern Erfahrung hat, empfiehlt es sich, für solche Situationen Gewebekleber vorzuhalten (sachgerecht im Kühlschrank gelagert). Eine Wundversorgung mit Gewebekleber ist bei den bei GIB betreuten Menschen meist effektiver.
    Lassen sich die Wundränder nicht gut schließen, ist die bloße trockene keimarme Abdeckung zu wählen. Ggf. ist eine Vorstellung beim chirurgischen Facharzt notwendig, Dieser entscheidet über das weitere Procedere, z. B. Naht, Wundrevision o. ä.
  • Bei Bisswunden mit Verletzung der Hautoberfläche muss eine Vorstellung bei einem Arzt erfolgen.
    Ausnahmen von dieser Vorgabe können gemacht werden, wenn ein Betreuter sich im Rahmen von selbstverletzendem Verhalten regelmäßig selbst beißt.
    Bei Bisswunden ohne Verletzung der Haut ist keine Versorgung mit Verbänden o. ä. erforderlich. Kommt es zu einer Schwellung, empfiehlt sich eine Kühlung.
    ACHTUNG: Das Schließen der Wundränder (primäre Wundversorgung) muss innerhalb der ersten 6 Stunden nach der Verletzung erfolgen! Ist eine Wunde infiziert, oder besteht sie bereits seit mehreren Tagen, ist keine primäre Wundversorgung möglich. Würde man die Wunde direkt verschließen, könnten sich vorhandene Krankheitserreger darunter leicht vermehren und eine schwere Infektion auslösen. Betreute mit solchen Wunden müssen einem Arzt vorgestellt werden.

3. Verbandswechsel und Hygienemaßnahmen

Ein Verbandswechsel erfolgt nach Bedarf, in der Regel alle zwei Tage.

Auf folgende Hygienemaßnahmen ist zu achten:

  • Die Arbeiten werden mit Handschuhen durchgeführt.
  • Offene Wunden werden zunächst stets mit Octenisept aus der Hausapotheke (Einwirkzeit mind. 30 Sek.) desinfiziert.
  • Im direkten Kontakt mit der Wunde kommen nur sterile Verbandsmaterialien zum Einsatz. Weitere Verbandsmaterialien (z. B. elastische Binden, Mullbinden, Fixierpflaster etc.) können bei ein und demselben Patienten mehrfach verwendet werden, wobei auf eine einwandfreie Hygiene bei der Wiederverwendung geachtet werden muss.
    Elastische Binden können mit 90° C gewaschen und danach auch bei anderen Betreuten wieder verwendet werden. Alle anderen Verbandsmaterialien können nicht wieder verwendet werden. 
  • Verschorfte Wunden werden primär offen behandelt und nur inspiziert. Kommt es im Rahmen des Heilungsprozesses zu Spannungen, wird der Schorf mit Panthenolspray (Hausapotheke) gepflegt. Nur wenn Gefahr besteht, dass der Betreute den Schorf abpult, ist trocken zu verbinden. Inspektionen sind täglich bis zum Abfallen des Schorfes durchzuführen.
  • Feuchte Wunden werden desinfiziert, gereinigt und trocken verbunden. Zum Lösen angetrockneter Verbandsmaterialien kann das Desinfektionsmittel genutzt werden.
  • Infizierte Wunden werden desinfiziert, gereinigt, mit Betaisodonalösung (Hausapotheke) versorgt und täglich neu verbunden.

4. Beobachtung und Dokumentation

Der Betreute wird bezüglich seiner, die Wunde betreffenden Verhaltensweisen beobachtet. Die Verhaltensweisen und der Wundheilungsverlauf werden in der Tagesdokumentation dokumentiert.
Wenn der Betreute durch sein Verhalten die Wundheilung negativ beeinflusst, wird über geeignete Maßnahmen zur Verhaltensmodifikation entschieden.
Die Wundsituation wird entsprechend den folgenden Kriterien dokumentiert:

  • Grad der Verschorfung bei verschorften Wunden
  • Rötung (nicht, leicht, mittel, stark)
  • Schwellung (nicht, leicht, mittel, stark)
  • Schmerzhaftigkeit (nicht, leicht, mittel, stark)
  • Vereiterung (nicht, leicht, mittel, stark)
  • Wundränder (zusammenliegend, leicht bzw. stärker klaffend)

Beachtenswertes

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