QualitätsHandBuch

der GIB-Stiftung und des GIB e.V.

QHB LEISTUNGSPROZESSE

2.2.5.1 AL Förderung Afb

Autor/en:
S. Dinges, A. Tornow
gültig seit:
13.12.2007
aktualisiert am:
04.05.2017

Anleitung zur Förderung im Arbeitsförderbereich

Präambel

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass Arbeit neben der Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung in vielfältigem Maße zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt. Hierbei spielen Aspekte wie das Erlangen eines sicht- und greifbaren Ergebnisses, eine Erfolgsantizipation, d. h. die Voraussicht oder Vorwegnahme von Ereignissen oder Entwicklungen, die Unterstützung motorischer Fähigkeiten und Eigenschaften, die Erweiterung des aktiven und passiven Wortschatzes sowie die soziale Interaktion eine Einfluss nehmende Rolle.

Die Anleitung zu Arbeiten im Arbeitsförderbereich basiert auf der Orientierung an den Kompetenzen der Menschen mit Behinderungen sowie dem Erkennen ihrer besonderen Fähigkeiten, Stärken und Interessen. Daraus folgt eine personenbezogene Gestaltung der Arbeit.

Grundlegend handelt es sich um sinnstiftende Tätigkeiten, bei denen ein deutlicher Bezug bzw. Effekt für die einzelne Person (beispielsweise bei der Herstellung eines Kleinmöbels für den eigenen Gebrauch) oder für die Gemeinschaft (Pflege der Gartenanlage) erfahren werden kann.

Zur Realisierung solcher Arbeiten bedarf es zum einen der Schaffung personenbezogener Hilfskonstruktionen, damit einzelne Teilschritte möglichst eigenständig durchgeführt werden können. Zum anderen bedarf es einer detaillierten Planung in Bezug auf die individuelle Einbindung der Beschäftigten in die Herstellung bzw. Umsetzung von Werkstücken, Projekten, Dienstleistungen und in die Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten.

Hierbei stellt das Aufgliedern der Tätigkeiten in notwendige Arbeitsschritte einen wichtigen Ausgangspunkt der Planung dar. Maßgebend für den Umfang und die Komplexität der einzelnen Arbeitsschritte sind die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Beschäftigten, auf die die jeweilige Werkstück-, Projekt- oder Dienstleistungsplanung abzielt. Muss beispielsweise von einer geringen Kompetenz und Ausdauer ausgegangen werden, sind die der Person zuzuordnenden Arbeitsschritte entsprechend kleinschrittig, d. h. einfach und kurz zu gestalten. Grundsätzlich zielt die Arbeit auf sowohl qualitativ hochwertige als auch ästhetisch anspruchsvolle Werkstücke ab.

Anleitung zur Bearbeitung des Formblattes 'Förderung im Arbeitsförderbereich' in der Datenbank.

Die Werkstück-, Projekt- bzw. Dienstleistungsplanung führt zu einem Arbeitsergebnis, das sowohl ein handwerklich gefertigter Gegenstand als auch eine Tätigkeit aus dem Dienstleistungsbereich sein kann oder der Zuwachs an lebenspraktischen Fähigkeiten.

Als Werkstück wird ein handwerklich hergestelltes Produkt bezeichnet.

Ein Projekt ist ein Vorhaben, bei dem innerhalb einer festgelegten Zeitspanne ein definiertes Ziel, d. h. ein einmaliges Produkt, eine Dienstleistung oder ein Ergebnis erreicht bzw. erzeugt werden soll, und das sich dadurch auszeichnet, dass es im Wesentlichen ein einmaliges Vorhaben ist.

Eine Dienstleistung bezeichnet eine Arbeitsleistung, z. B. Wäschepflege, Kochen, Rasenmähen. Sie geht auf einen Auftrag zurück und wird von einer bzw. mehreren Personen erbracht.

Die Erweiterung der Fähigkeiten im lebenspraktischen Bereich, wie z. B. Esstraining, Anlegen von Arbeitskleidung kann ebenfalls im Rahmen einer Förderung erfolgen.

  • In der Titelzeile des Formblattes erhält die Förderung ihren spezifischen Namen.
  • Um welchen Typ der Förderung es sich handelt, wird in der Zeile darunter im entsprechenden Kästchen kenntlich gemacht.
  • Grundlage einer Förderung sind umfassende Vorüberlegungen. Dazu ist eine umfangreiche präzise Erhebung der aktuellen Ist-Situation erforderlich. Diese umfasst die Erkundung von Interessen, Bedürfnissen und Vorlieben, die Analyse der kognitiven Fähigkeiten, der motorischen Möglichkeiten, ggf. der erworbenen Kulturtechniken. In Verbindung mit aktuellen Gegebenheiten (z. B. Jahresfeste, abgeforderte Dienstleistungen) wird daraus die Förderung abgeleitet. Alle Vorüberlegungen sind in verständlicher Form festzuhalten. Hier können und sollen auch Erfahrungen von Kollegen berücksichtigt werden, die diese mit den Betreuten gemacht haben. Auch eigene Wünsche der Beschäftigten (z. B. ein Geschenk für Angehörige herstellen) können hier Berücksichtigung finden.
  • Als Ergebnis der Vorüberlegungen, der Ressourcen und der Lebenssituation des Beschäftigten sowie der Rahmenbedingungen im Afb wird das Ziel definiert. Bei der Auswahl der Ziele ist darauf zu achten, dass ein ausgewogenes Verhältnis besteht zwischen solchen, die zu einem bleibenden Arbeitsergebnis (z. B. ein Bilderrahmen) führen, die lebenspraktische Fähigkeiten aufbauen, und Dienstleistungen (z. B. "Ich habe für uns gekocht." oder "Ich habe den Hof gefegt.").
  • Die Förderung erfolgt in kleinen Arbeitsschritten mit Angabe des individuellen Hilfebedarfs. Die umfassende Angabe aller benötigten Materialien, Werkzeuge und spezifischen Arbeitshilfen ist für einen reibungslosen Verlauf der auszuführenden Tätigkeiten unerlässlich. Hierzu ist anzumerken, dass schon die Herstellung von Hilfskonstruktionen Inhalt einer eigenen Förderung sein kann.
  • Es ist die Dauer der Förderung festzulegen. Daraus leitet sich das Überprüfungsintervall ab.
  • Grundsätzlich ist der Beschäftigte nach seinen Möglichkeiten an der Planung der Förderung beteiligen. In welcher Form und in welchem Umfang wird in der dafür vorgesehenen Rubrik dokumentiert. Ist eine solche Einbeziehung des Beschäftigten nicht möglich, so ist dies ebenfalls zu dokumentieren.
  • In einem gemeinsamen Termin mit der AfbL und dem verantwortlichen Mitarbeiter wird die Förderung durchgesprochen und der Beginn festgelegt.
  • Das erste und zweite Zwischenergebnis sowie die Auswertung werden zum festgelegten Überprüfungsdatum dokumentiert. Zur klaren Strukturierung der Förderung dürfen diese Zeitpunkte nicht mehr als eine Woche überschritten werden.
    Relevante Aussagen (Was wurde erreicht?) sind hier zusammenfassend zum bisherigen Verlauf unter den Aspekten Arbeitsergebnisse, Verhalten, Belastbarkeit und erworbene Fähigkeiten zu treffen. Eine Modifikation der Förderung erfolgt dann, wenn eine Veränderung des Zeitraums, der Arbeitsschritte, der personenbezogenen Arbeitsschritte, des individuellen Hilfebedarfs und/oder der notwendigen Arbeitshilfen erforderlich wird.

Die Auswertungsergebnisse sind bei den folgenden Förderungen zu berücksichtigen oder/und in den Beschäftigungsalltag zu integrieren.

Beachtenswertes

Warunsuchst DU mich nicht?
Deeskalationstraining
Webcam Neubau MZEB